Quelle: ZF

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Mit technischen Hilfen Unfälle vermeiden

Automobilzulieferer ZF hat ein Konzeptfahrzeug mit eingebautem Schutzengel vorgestellt. Dieser greift ein, wenn der Mensch am Steuer abgelenkt ist oder droht, zum Geisterfahrer zu werden.

Der Begriff Vision Zero wird häufig in erster Linie mit emissionsfreier Mobilität verbunden. Aber auch das unfallfreie Fahren ist ein wichtiger Aspekt. Der Automobilzulieferer ZF hat jetzt das Konzeptfahrzeug „Vision Zero Vehicle“ vorgestellt, das technische Lösungen für beide Ziele beinhaltet – einen elektrischen Achsantrieb sowie intelligente mechanische Systeme, die dabei helfen sollen, eine Vielzahl von Unfällen zu vermeiden. ZF sieht in solchen Sicherheitsinnovationen entscheidende Wegbereiter für die Übergangsphase zwischen assistiertem und autonomem Fahren.

Vor Ablenkung schützen

Einer Verkehrssicherheitsstudie des Allianz Zentrums für Technik zufolge geht rund jeder zehnte Verkehrstote mittlerweile auf den Faktor Ablenkung zurück. In Deutschland verloren dadurch im Jahr 2016 etwa 350 Menschen ihr Leben, 94 mehr als durch Alkohol am Steuer. In dem ZF-Konzeptfahrzeug soll der „Driver Distraction Assist“ erkennen, wenn der Fahrer abgelenkt ist und bei Bedarf das Fahrzeug soweit sicher steuern, bis keine größere Gefahr mehr besteht. Technische Basis ist laut ZF eine lernfähige, laserbasierte Time-of-Flight-Innenraumkamera: Diese erfasst die Position des Fahrerkopfs dreidimensional und auch bei schwierigen Lichtverhältnissen. Infolgedessen kann sie erkennen, sobald der Blick des Fahrers vom Verkehrsgeschehen abgewandt ist. Droht dadurch Gefahr, schlägt das System in der ersten Stufe optisch durch Warnung im Zentraldisplay, akustisch sowie haptisch durch aktives Straffen des Sicherheitsgurts Alarm. Parallel dazu unterstützt der Anti-Ablenkungsassistent den Fahrer bei der Längs- und Spurführung des Fahrzeugs, auch in Kurven. Reagiert der Fahrer weiterhin nicht, nimmt das System das Antriebsmoment kontinuierlich zurück. Im letzten Schritt kann es bei weiterhin bestehender Ablenkung sogar die Gasannahme zurücknehmen und den Wagen an sicherer Stelle anhalten.

Geisterfahrten vermeiden

Die Lösung „Wrong-way Inhibit“ soll Geisterfahrten und deren oft fatale Folgen aktiv verhindern – laut ADAC verursachten Geisterfahrer 2016 insgesamt zwölf Tote, bei 2200 Warnmeldungen vor Falschfahrern im Verkehrsfunk. Das System aktiviert sich bereits, wenn der Fahrer per Blinker und eindeutiger Lenkbewegung andeutet, dass er in falscher Richtung in eine Straße einfahren will – sei es infolge von Ablenkung, schlechter Sicht oder fehlender Orientierung. Wird anstelle einer Autobahnauffahrt die Autobahnabfahrt angesteuert, warnt das System zunächst akustisch, haptisch via Gurtvibration und optisch im Informations-Display. Zudem gibt auch das Lenkrad beim Einlenken mittels deutlich erhöhten Lenkwiderstands dem Fahrer unmissverständlich zu verstehen, dass er im Begriff ist, falsch abzubiegen. Sollte der Pilot dennoch abbiegen, hält das System den Wagen am äußeren Fahrbahnrand und bremst zunächst auf Schrittgeschwindigkeit und schließlich bis zum Stillstand ab. Zudem schalten sich sofort das Abblendlicht und die Warnblinkanlage ein, um entgegenkommende Fahrzeuge vor dem Falschfahrer zu warnen. Falls eine Ausweichfläche vorhanden ist oder der Rückwärtsgang eingelegt wird, gestattet das System dem Lenker, entlang des Fahrbahnrands sicher aus der Gefahrenzone zu fahren. Welcher Weg und welche Richtung richtig oder falsch ist, weiß das „Vision Zero Vehicle“ über genaue und via Cloud permanent aktualisierte Karten sowie über ein Front-Kamerasystem, welches Verkehrsschilder genauso wie Fahrbahnmarkierungen erkennt und interpretiert.

Vision Zero – der Hintergrund

Der Begriff Vision Zero – gemeint sind null Unfälle – stammt ursprünglich aus der Arbeitssicherheit. Mitte der 1990er Jahre wurde der Ansatz von der Schwedischen Straßenverkehrsbehörde für den Verkehr aufgegriffen – vor allem mit dem Ziel null Verkehrstote – und fand schnell auch auf europäischer Ebene Gehör. Vision Zero steht für einen Paradigmenwechsel in der Verkehrssicherheitsarbeit und für ein umfassendes Handlungskonzept, das auf zwei Grundprinzipien basiert. Prinzip eins: Menschen machen Fehler, und das System Verkehr muss mit diesen Fehlern rechnen und sie verzeihen. Aus diesem Prinzip folgt, dass nicht mehr allein die Unfallbeteiligten Verantwortung für Unfälle übernehmen müssen, sondern Unfallvermeidung zu einer gesellschaftlichen Aufgabe wird, die unter anderem auch die Automobilindustrie, die Bauverwaltung und die Versicherungen betrifft. Prinzip zwei: Die Belastbarkeitsgrenzen des menschlichen Körpers werden zum entscheidenden Maßstab; Unfallfolgen dürfen auch im schlimmsten Fall nicht mehr tödlich sein. (ph)

Ein Thema des VWI-Arbeitskreises Automotive.

Quelle: Pixelio/S. Hofschlaeger

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Sich gut präsentieren in 60 Sekunden

Vielen Bewerbern fällt es schwer, Personalverantwortlichen kurz und prägnant die wichtigsten Dinge über sich zu erzählen. Eine Sprechvorlage hilft bei der Vorbereitung.

Die Aufforderung „Erzählen Sie etwas über sich“ setzt Bewerber häufig unter Stress, hat Wolfgang Raith beobachtet. Bei Karriereworkshops und individuellen Bewerbungsberatungen fällt dem Sprecher des VWI-Kompetenznetzwerks Karriere & Beruf immer wieder auf, dass die Teilnehmenden bei dieser Frage einbrechen. Er rät Stellensuchenden, Reihenfolge und Inhalte der wichtigsten Aspekte im Vorfeld zu üben, um sich am Telefon oder im persönlichen Vorstellgespräch überzeugend in 60 Sekunden präsentieren zu können. Dafür empfiehlt Wolfgang Raith folgendes Raster:

Was studiere ich an welcher Uni?
Welches Gebiet vertiefe ich?
Was für Praktika oder Jobs habe ich bereits gemacht?
Was motiviert mich für das Stellenangebot (Praktikum, Werkstudentenjob, Bachelor-Masterarbeit, Job)?
Warum ist meine Qualifikation interessant?
Wie geht es weiter (Kurzbewerbung, Komplettbewerbung, Gesprächstermin)?

„Beim Üben sollten Stellensuchende ihren Text im Stehen langsam und deutlich sprechen und nach jedem Satz einatmen“, sagt Wolfgang Raith. „Nach drei bis vier Durchgängen klappt die Präsentation dann in der Regel sehr gut.“ (ph)

Ein Thema des VWI-Arbeitskreises Karriere & Beruf.

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Drohnen mit dem Wink einer Hand steuern

Die Empa hat einen Sensor aus piezoresistiven Fasern entwickelt, der leichteste Bewegungen in elektrische Signale umwandeln kann. Das macht es möglich, Drohnen oder Roboter mit kleinsten Bewegungen zu steuern oder andere elektronische Geräte ohne Fernbedienung zu kontrollieren.

Geht es nach Forschenden der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa), werden sich Drohnen und Roboter bald locker aus dem Handgelenk steuern lassen. Sie haben einen Sensor aus piezoresistiven Fasern entwickelt und in ein Armband integriert, der feinste Bewegungen der Hand registrieren kann: Die piezoresistive Faser kann eine Deformation erkennen und in ein elektrisches Signal umwandeln, das dann von einem Endgerät ausgelesen und interpretiert wird. Wie die Empa mitteilt, beruhte Bewegungssensorik bislang hauptsächlich auf visuellen Sensoren sowie Beschleunigungsmessern und Rotationsmessern. Diese Art, Bewegungen zu registrieren, setze große und deutliche Gesten in einem bestimmten Geschwindigkeitsbereich voraus. Der neue Empa-Sensor hingegen reagiere bereits auf kleinste Bewegungen der Hand.

Auf bisherige Technologien wollen die Forschenden aus der Abteilung Hochleistungskeramik aber nicht verzichten. Um erfolgreiche neue Konzepte zu entwickeln, sei eine Kombination verschiedener Sensoren nötig. Nur auf diese Weise sei es möglich, Bewegungen zu erkennen und zu nutzen, die mit den bisherigen Technologien nicht erfassbar gewesen seien. So ermögliche etwa die Kombination aus Beschleunigungs-, Rotations- und Orientierungssensoren zusammen mit dem Faser-Sensor vollkommen neue Kommandos zur Steuerung von technischen Geräten – sei es eine Drohne oder das Garagentor. Die Forschenden haben den Sensor zu Testzwecken in ein herkömmliches Uhrenarmband integriert, denn in Zukunft soll der Sensor unauffällig am Handgelenk getragen werden können, um den Träger möglichst wenig einzuschränken.

Zurzeit wird der Algorithmus, der die Übersetzungsarbeit zwischen Sensorik und Drohnensteuerung übernimmt, weiter verfeinert. So soll der Sensor beispielsweise nicht nur einzelne Bewegungen, sondern auch ganze Bewegungsfolgen erkennen können – zweimal kurz hintereinander die Faust zu ballen würde dann ein anderes Kommando auslösen als einmal kurz und einmal lang. Auch das Tragen des Sensors in einem Armband ist vielleicht bereits bald wieder Geschichte. Eine ETH-Studentin untersucht gerade die Möglichkeit, den piezoresistiven Sensor statt desssen in ein kleines Pflaster zu integrieren. Laut Empa werden derzeit mit weiteren Partnern aus diversen Bereichen mögliche industrielle Umsetzungen diskutiert. (ph)

Quelle: Charité/Peitz

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Autonomes Fahren auf Berliner Klinikgelände

In einem gemeinsamen Projekt testen die Berliner Verkehrsbetriebe, das Land Berlin und die Charité künftig fahrerlose Elektrobusse. Das Klinikgelände gilt als Abbild des Berliner Verkehrsalltags im Kleinen und daher als ideale Testfläche.

Im Rahmen des Projekts „Stimulate – Stadtverträgliche Mobilität unter Nutzung elektrischer automatisierter Kleinbusse“ werden ab Anfang 2018 elektrisch angetriebene Kleinbusse testweise auf dem Gelände der Berliner Charité unterwegs sein. Zunächst laufen noch die Vorbereitungen und ausgiebige Techniktests, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), die Charité und das Land Berlin bei der Vorstellung des Pilotvorhabens mit. Ab dem Frühjehr 2018 sollen dann die ersten Fahrgäste die fahrerlosen Minibusse im Alltag testen können: Auf dem Campus Charité Mitte und dem Campus Virchow-Klinikum werden die vier Busse der Anbieter Navya und Easy Mile auf drei definierten Routen mit festen Haltestellen und einer Geschwindigkeit von maximal 20 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Im ersten Quartal 2018 sollen Testfahrten stattfinden, im zweiten bis vierten Quartal 2018 begleitetes Fahren mit Fahrgästen, ab dem ersten Quartal 2019 dann der autonome Betrieb.

Den Projektpartnern zufolge sind die Charité-Flächen besonders gut geeignet – und zwar nicht wegen der Nähe zu notärztlicher Versorgung, wie einem kalauernder Gast während der Projektvorstellung versichert wurde. Vielmehr seien die Testflächen mit ihren 270.000 beziehungsweise 138.000 Quadratmetern ausreichend groß und vom öffentlichen Straßenland abgegrenzt. Außerdem würden sie mit ihren Gehwegen und Kreuzungen, Fußgängern und Radfahrern sowie Pkw, Lkw und Bussen den Berliner Verkehrsalltag nahezu vollständig im Kleinen abbilden – Vorfahrt für alle Kranken- und Rettungswagen mit Blaulicht inklusive.

Die Charité wird im Rahmen des Projekts die Straßen- und Ladeinfrastruktur bereitstellen, die BVG ist für den autonomen Betrieb aller Fahrzeuge verantwortlich. Gleichzeitig wird deren Einsatz im Rahmen einer Studie wissenschaftlich begleitet: Das Land Berlin wird gemeinsam mit der Charité und ihrem Institut für Medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaften die Akzeptanz und weitere praktische Aspekte der Nutzung autonom fahrender Busse untersuchen. Die BVG verspricht sich von dem Testlauf wichtige Erkenntnisse über Potenziale der Technik, etwa als mögliche Ergänzung zum Hochleistungs-ÖPNV oder auf schwach ausgelasteten Strecken. Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert und läuft bis April 2020. (ph) 

Quelle: Pixelio/Bernd Wachtmeister

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Anonym über Cyber Security austauschen

Eine anonyme Plattform zur Diskussion von Problemen mit der IT-Sicherheit im Bereich Industrieautomation hat der VDE eingerichtet. Sie richtet sich vor allem an Mittelständler.

Mit der Plattform CERT@VDE will der VDE mittelständischen Unternehmen die Möglichkeit geben, sich anonym über Probleme bei der IT-Sicherheit sowie Cyber-Angriffe auszutauschen und ihre Cyber Security zu verbessern. Die Plattform richtet sich besonders an Hersteller, Integratoren, Anlagenbauer und Betreiber aus dem Bereich Industrieautomation. „Industrie 4.0 eröffnet große Chancen und Wertschöpfungspotenziale – gerade für den Wachstumsmotor Mittelstand“, heißt es beim VDE: „Zugleich steigt mit der fortschreitenden Vernetzung der Produktionssysteme mit modernen IKT-Systemen das Risiko von Cyber-Angriffen. Umso wichtiger ist es, IT-Sicherheit als kritischen Erfolgsfaktor für Industrie 4.0 und Digitalisierung zu stärken.“

Wie der VDE weiter mitteilt, ist die IT-Sicherheit für 88 Prozent der VDE-Mitgliedsunternehmen aus der Elektro- und IT-Industrie zwar wesentliche Voraussetzung für die Digitalisierung. Vor allem im Mittelstand fehle es jedoch häufig an IT-Spezialisten, die zum einen die Digitalisierung intern vorantreiben und zum anderen die Organisation vor externen Angriffen schützen. 71 Prozent der Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern geben laut VDE zu, bereits Opfer von Cyber-Angriffen geworden zu sein, doch die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Denn lediglich zehn Prozent seien sind der Meinung, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei IT-Sicherheit führend ist.

„Wir brauchen eine Kultur der Offenheit, nur gemeinsam können wir Black Hats Paroli bieten“, sagt VDE-Chef Ansgar Hinz. Zudem müsse vor allem der Wirtschaftsmotor Mittelstand in Cyber Security investieren, aber, so Hinz, „wir wissen, dass viele kleinere Unternehmen nicht über die Ressourcen für eigene Computer Emergency Response Teams, sogenannte CERTs, verfügen.“ Diese Lücke soll die Plattform CERT@VDE schließen, wo sich die Unternehmen im Schutz der Anonymität offen austauschen und flankierend im Rahmen eines nichtkommerziellen CERT bei der Verbesserung ihrer Cyber Security unterstützt werden können. (ph)

Quelle: Pixelio/birgitH

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Lieferantenaudits systematisch konzipieren

Mit systematischen Audits können Unternehmen ihre Lieferanten besser bewerten und auswählen. Ein Konzept von der Stange ist jedoch häufig nicht spezifisch genug.

„Die richtige Nadel finden“ – so hat Christian Hargasser seinen Fachbeitrag zum Thema Lieferantenaudits in der Zeitschrift QZ Qualität und Zuverlässigkeit überschrieben. Der Sprecher des VWI-Kompetenznetzwerks Qualitätsmanagement und Leiter des Qualitätsmanagements bei der Multipond Wägetechnik GmbH beschreibt darin den Aufbau des firmeneigenen Bewertungskonzepts: Da Recherchen nach gängigen Vorgehensweisen zur systematischen Durchführung von Lieferantenaudits kaum brauchbare Ergebnisse gebracht hatten, hat das Unternehmen ein eigenes Konzept entwickelt. Dieses Konzept umfasst nicht nur alle für Multipond relevanten Kriterien, sondern erlaubt auch deren individuelle Gewichtung. So können Lieferanten gezielt und nach den unternehmensspezifischen Schwerpunkten beurteilt und ausgewählt werden.

In dem Fachartikel beschreibt Hargasser die Schritte und wichtigen Aspekte zur Entwicklung des Konzepts – vom initialen Brainstorming über das Auswählen und Gewichten der Kriterien bis zur Umsetzung der Systematik. Außerdem stellt er die Punkte vor, die Unternehmen besonders beachten sollten, damit sich der Aufwand lohnt, Lieferantenaudits zu strukturieren. Das bei Multipond entwickelte Vorgehen ermöglicht den Vergleich von Auditergebnissen mehrerer Unternehmen und lässt sich an verschiedene Fragestellungen anpassen. (ph)

Ein Thema des VWI-Kompetenznetzwerks Qualitätsmanagement.

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Norwegen: Mehr Stromer als reine Verbrenner zugelassen

In Norwegen waren im Juni Autos mit Elektro- oder Hybridantrieb bei den Neuzulassungen erstmals in der Mehrheit. Ein umfangreiches Vorteilspaket stützt die Nachfrage.

Autos mit Verbrennungsmotor sind auf Norwegens Straßen zwar noch klar in der Mehrheit. Bei den Neuzulassungen waren sie es im Juni jedoch nicht mehr. Das zeigen Zahlen der Opplysningsrådet for Veitrafikken (OFV), was etwa Informationszentrale für Straßenverkehr bedeutet – die norwegische Interessenvereinigung gehört der International Road Federation an. Diesen Zahlen zufolge machten reine Batterie-Elektroautos bei den Neuzulassungen im Juni 27 Prozent aus, Plugin-Hybride kamen auf 15 Prozent und Vollhybride auf zehn Prozent der Neuzulassungen – einen Überblick über die bevorzugten Modelle liefert das Fachblog EV-Sales.

Norwegen hat sich zum Ziel gesetzt, ab dem Jahr 2025 überhaupt keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zuzulassen. Um die Nachfrage nach Wagen mit Elektro- oder Hybridantrieb anzukurbeln, gibt es für Kunden viele Vorteile. Beim Kauf eines konventionellen Autos verlangt der Staat beispielsweise eine Steuer, die von den Emissionen und dem Gewicht des Autos abhängig ist und im Schnitt eine fünfstellige Euro-Summe ausmacht; hinzu kommen 25 Prozent Mehrwertsteuer. Wer hingegen ein sogenanntes sauberes Fahrzeug kauft, dem erlässt der Staat beide Steuern. Außerdem ist die jährliche Kraftfahrzeugsteuer sehr viel geringer als für Autos mit Verbrennungsantrieb, die staatlichen Fähren transportieren Elektro- oder Hybridautos kostenlos, die auf vielen Straßen fällige Maut entfällt. Der Staat fördert zudem den Ausbau der Ladeinfrastruktur: Abgesehen vom dünn besiedelten Norden des Landes soll bis Ende des Jahre soll entlang der Hauptstraßen alle 50 Kilometer eine Schnellladestation stehen. Und die Stadt Oslo hat vor kurzem ein Gesetz verabschiedet, wonach jedes neue Wohnhochhaus Ladestationen für mindestens die Hälfte der Bewohner bereitstellen muss.

Bislang geht das Konzept auf. Inzwischen sind in Norwegen – einem Land mit rund fünf Millionen Einwohnern – mehr als 130.000 Elektroautos zwischen Oslo und dem Nordkap unterwegs. Und in absoluten Zahlen ist Norwegen der drittgrößte Markt für Elektroautos weltweit – nach China und den USA. Hintergründe und Details zur Elektromobilität in Norwegen beleuchtet der Beitrag „Ökologische Musterknaben unter Strom“, der bei Deutschlandfunk Kultur als Podcast zur Verfügung steht. (ph)

Ein Thema des VWI-Arbeitskreises Automotive.

Quelle: Pixelio/I-vista

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Studie: Der perfekte Lebenslauf

Den Lebenslauf sehen sich Personalverantwortliche häufig als erstes an, um sich ein Bild von Bewerbern zu machen. Was einen gelungenen Lebenslauf ausmacht, zeigt eine Studie der Personalberatung Page Personnel.

Die Personalberatung Page Personnel hat über 4000 Kandidaten und etwa 600 Berater aus Kontinentaleuropa dazu befragt, was alles in einen gelungenen Lebenslauf gehört – und was besser nicht. Besonders wichtig ist demnach der sprachliche Ausdruck. Alle deutschen Personalberater legen großen Wert auf richtige Grammatik, eine korrekte Ansprache und professionellen Ton sowie auf die Verwendung der in der Stellenanzeige genannten Schlagworte. Auch Bewerber halten diese Formalien für besonders wichtig (Grammatik 96 Prozent, Ansprache 92 Prozent, Verwendung der Schlagworte 81 Prozent). Die Verwendung branchenüblichen Fachtermini wertet bei 89 Prozent der befragten Personalberater den CV auf – 74 Prozent aller befragten Bewerber und Bewerberinnen machen das bereits richtig und lassen entsprechende Termini in ihre Bewerbungen einfließen.

Erfahrungen, Verantwortlichkeiten, Erfolge

Eine kurze Ausführung der Erfahrungen und Verantwortlichkeiten sowie der Erfolge in vorangegangen Jobs halten 93 Prozent der Personalberater für hilfreich und wertvoll im Lebenslauf. Das ist auch den befragten Kandidaten zufolge ein fester Bestandteil eines gelungenen CV. Mit Blick auf die Faktentreue verzeihen nur etwa 30 Prozent der befragten Personalberater eine etwas breitere Auslegung der Wahrheit und drücken bei manchen Themen sogar ein Auge zu. Etwa 33 Prozent der Kandidaten hoffen wohl, auf genau diese Berater zu treffen: Sie geben an, die Wahrheit im Lebenslauf nicht ganz so genau zu nehmen. Immerhin zeigen sich die deutschen Personalberater relativ gelassen bei diesem Thema – im europäischen Schnitt sind nur 21 Prozent der Personalberater mit Abweichungen von der Wahrheit einverstanden.

Dass ein renommierter Firmenname in einem Lebenslauf gut ankommt, sagen 79 Prozent der Kandidaten und 90 Prozent der Personaler. Um die Namen von weniger bekannte Unternehmen aufzuwerten, hat Wolfgang Raith einen Tipp: „Bewerber sollten den Firmennamen ohne handelsrechtliche Bezeichnungen wie GmbH oder KG angeben, aber dafür Fakten ergänzen wie die Branche, das Hauptprodukt, die Anzahl der Mitarbeiter und eventuell der Umsatz“, sagt der Sprecher des VWI-Kompetenznetzwerks Karriere & Beruf.

Foto in Deutschland ein Muss

Ob ein Foto im Lebenslauf maßgeblich für eine Einladung zum Vorstellungsgespräch ist, wird unterschiedlich gesehen. 76 Prozent der Bewerber in allen kontinentaleuropäischen Ländern gehen davon aus, aber nur 68 Prozent aller Personalberater in Kontinentaleuropa sagen, dass ein Foto einem Lebenslauf den letzten Schliff gibt. In Deutschland dagegen sagen alle befragten Personaler, dass ein Foto im Lebenslauf enthalten sein sollte – und 84 Prozent der deutschen Bewerber liefert das gewünschte Bild im CV.

Häufige Jobwechsel hingegen werden von Beratern und Bewerbern in ganz Europa eher kritisch bewertet: 77 Prozent aller befragten Bewerber gehen davon aus, dass der Personaler es gerne sieht, wenn man zwei Jahre Berufserfahrung innerhalb desselben Unternehmens aufweisen kann – dem stimmen 91 Prozent der Personalberater zu und machen damit deutlich, wie wichtig Kontinuität ist. In Deutschland sehen 70 Prozent der Personalberater sogar eine Verweildauer von zehn Jahren positiv und als Zeichen für Loyalität und Treue gegenüber dem Arbeitgeber.

Social-Media-Profile werden wichtiger

Etwa die Hälfte der Personalberater in Deutschland wünschen sich auch einen Hinweis auf die Social-Media-Profile der Bewerber, diesem Wunsch kommen aber erst 23 Prozent der Bewerber nach. „Es wird heute immer wichtiger, einen echten ‚Cultural Fit‘ für die ausgeschriebene Stelle zu finden – und je mehr Details ein Personalverantwortlicher über den Bewerber kennt, desto besser kann er diesen ‚Fit‘ abschätzen“, erklärt Ricardo Corominas, Managing Director von Page Personnel. Die angegebenen Social-Media-Profile sollten während einer Jobsuche unbedingt gepflegt, professionell und aussagekräftig sein.

„Grundsätzlich gilt: Es zählen klare Strukturen anstatt gestalterische Elemente“, sagt Wolfgang Raith. „Der Lebenslauf kann noch so schön gestaltet sein – wenn er nicht zur Stelle und zum Unternehmen passt, nützt er nichts.“ (ph)

Ein Thema des Arbeitskreises Karriere & Beruf.

Quelle: VWI

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Blick in die Zukunft bei SEW Eurodrive

Die Elektronik-Produktion bei SEW Eurodrive in Bruchsal war das jüngste Ziel der Regionalgruppe Rhein-Neckar. Das Unternehmen gilt als einer der weltweiten Marktführer in den Bereichen Antriebstechnik und Antriebsautomatisierung.

Aus der Historie ins Heute mit Blick in die Zukunft – so lässt sich die Werksführung bei SEW Eurodrive im Werk Bruchsal zusammenfassen. Zu Beginn machten sich die Mitglieder der VWI-Regionalgruppe Rhein-Neckar mit der historischen Entwicklung der Firma SEW und ihrer Ausbreitung über die ganze Welt vertraut. Das inhabergeführte Familienunternehmen wurde 1931 gegründet und gilt heute als einer der internationalen Marktführer im Bereich Antriebstechnik/Antriebsautomatisierung. Der Hauptsitz ist in Bruchsal, aber insgesamt verfügt SEW über fünf Fertigungswerke und 77 Drive Technology Center in 51 Ländern. Mehr als 16.000 Beschäftigte arbeiten für das Unternehmen, davon fast 600 im Bereich Forschung und Entwicklung; und der Umsatz im Geschäftsjahr 2016/17 betrug 2,8 Milliarden Euro.

Bei einem Vortrag im SEW-Schulungszentrum lernten die Teilnehmer alles, was das Unternehmen, seine Produkte und den weltweiten Erfolg ausmacht. Und so wie SEW mit seinen Produkten die Welt bewegt, bewegten sich die Mitglieder der Regionalgruppe durch die Elektronik-Produktion und bekamen viele interessante Einblicke – in die Methode Kanban, in Transportsysteme, den Personaleinsatz in der Produktion und natürlich die SEW-Produktion von Elektronikmodulen.

Vorreiterrolle beim Zusammenwachsen von Mensch und Maschine

Bei der Vorstellung intelligenter Transport- und Produktionsroboter war die Gestaltung der Zukunft fast zum Greifen nah. Denn SEW möchte bei der Realisierung von Industrie 4.0 und dem Zusammenwachsen von Mensch und Maschine eine Vorreiterrolle einnehmen. An der Umsetzung dieses Ziels arbeitet das Unternehmen bereits intensiv, unter anderem ist ein hierfür notwendiger Umzug in ein größeres und moderneres Werk bereits für dieses Jahr geplant.

Nach den vielen Eindrücken aus der Welt von SEW gab es für die Mitglieder der Regionalgruppe noch eine kurze Informationsrunde mit Themen aus dem Verband wie die neue Webseite und die zukünftige Gestaltung der Regionalgruppe. Auch der Termin für das nächste Regionalgruppentreffen wurde besprochen: Am 21. September 2017 ist ein Besuch der Firma Goldbeck in Hirschberg an der Bergstraße geplant. Abschließend gab es noch Gelegenheit zum Netzwerken – die Regionalgruppe ließ den Tag beim Italiener in der Bruchsaler Innenstadt gemütlich bei Pizza und Radler ausklingen.

Christian Szyska, Sprecher der Regionalgruppe Rhein-Neckar (ph)

Quelle: VDW

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Einzelfertigung robust und synchronisiert planen

Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT entwickelt zurzeit ein Softwaretool, das Einzelfertigern eine robuste synchronisierte Produktionsplanung ermöglichen soll. Interessierte Unternehmen sind als Projektpartner willkommen.

Die Produktion individualisierter Produkte ist oft nur bedingt planbar, da den Unternehmen häufig genaue Informationen über die voraussichtliche Bearbeitungszeit fehlen. Auf solche Informationen ist jedoch besonders der Werkzeugbau angewiesen, um seinen Kunden verlässliche Lieferzeiten versprechen zu können. Im Forschungsprojekt PARSyP entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen daher gemeinsam mit drei Industriepartnern ein Softwaretool, das Einzelfertigern eine robuste synchronisierte Produktionsplanung ermöglichen soll. Die Projektpartner erproben die Software zunächst am Beispiel der Werkzeugfertigung für den Spritzguss und das Umformen. Später soll das Tool auch an andere Anwendungen in der Einzelfertigung angepasst werden.

Ziel: Produktionsplanung wie in der Großserie

Ziel des Projekts ist, bereits vorhandene Produktionsdaten so nutzen zu können, dass eine robuste synchronisierte Produktionsplanung wie in der Großserie auch in der Einzelfertigung gelingt. Anhand des Softwaretools, das von den Partnern im Projekt entwickelt wird, sollen Unternehmen bereits während der Erstellung des Angebots den Zeitaufwand abschätzen, verlässlicher planen, Betriebsabläufe optimieren und dadurch Termine besser einhalten können. Dafür ergänzen die Projektpartner die bereits bestehende Softwarelösung synchroTecS mit einem neuen Algorithmus. Damit sollen sich dann auch Zeitunsicherheiten und Wahrscheinlichkeiten bei der Auftragsplanung einbeziehen und so die Planungssicherheit auf Basis der vorliegenden Produktionsdaten deutlich präziser als bisher vorhersagen lassen. Maschinenauslastung, Durchlaufzeiten und Lieferzeiten sollen auf diese Weise verlässlicher geplant werden können, als das in der Einzelfertigung heute üblich ist.

Einige Unternehmen sind den IPT-Forschern zufolge bereits dabei, geeignete Prinzipien der Serienfertigung auf die Einzelfertigung zu übertragen, indem beispielsweise Materialflüsse definiert und auf sogenannten Taktpaletten gebündelt werden. Bei der Aufgabe, die Aufträge logistisch zu bündeln und einen produktionsweiten Takt einzuführen, soll die Weiterentwicklung der Software im Projekt PARSyP den Prozessplaner jetzt noch umfassender unterstützen.

Projektpartner willkommen

Wie das Fraunhofer IPT weiter mitteilt, können sich interessierte Unternehmen, die bereits an der Entwicklung der Software mitwirken möchten, noch als Partner am Projekt beteiligen, mit den Forschern die Ergebnisse diskutieren und eigene Ideen einbringen. Das Konsortium wird bereits jetzt durch die Phoenix Contact Deutschland GmbH, die Werkzeugbau Siegfried Hofmann GmbH, die Meissner AG und die WIRO Präzisions-Werkzeugbau GmbH & Co.KG unterstützt. Zum Projektkonsortium selbst gehören neben der innoTecS Ingenieurgesellschaft mbH als Konsortialführer und dem Fraunhofer IPT die Fischer GmbH (Geringswalde), die Promatix GmbH (Laupheim) und die WESKO GmbH (Stollberg). Das Forschungsprojekt wird über die Fördermaßnahme „KMU-innovativ: Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT)“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für 30 Monate gefördert. (ph)