Recycling

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Das Denken in Materialkreisläufen ist ein sinnvoller Ansatz für mehr Ressourceneffizienz – jedoch sollte die Circular Economy auch einen Beitrag zur Entlastung der Umwelt und vor allem des Klimas liefern. Diese Entlastung wird aber beim Recycling nicht automatisch erreicht, sondern hängt von vielen Faktoren ab. Das ist der Kern des gerade im Springer Verlag erschienenen Buchs „Recycling – ein Mittel zu welchem Zweck?“, das online kostenlos verfügbar ist. Darin analysiert der Autor Philipp Schäfer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Industrial Ecology an der Hochschule Pforzheim, die energetischen Aufwände des Metallrecyclings und vergleicht sie mit der Primärgewinnung.

Eine große Rolle spielt demnach die Konzentration, in der die zu recycelnden Stoffe in Produkten oder im Abfall auftreten. Bei vielen miniaturisierten Hightech-Produkten werde das immer problematischer. Würden die Konzentrationen zu gering, steige der Energieaufwand fürs Recycling und damit auch die Umweltbelastung. „Es ist damit durchaus möglich, dass Recycling in manchen Fällen mehr Energie benötigt und mehr Treibhausgasemissionen verursacht als die primäre Gewinnung“, so Schäfer: „In diesen Fällen muss der Beitrag von Recycling für eine nachhaltige Entwicklung kritisch hinterfragt werden.“ Denn die Circular Economy müsse ein Mittel sein und kein Selbstzweck.

Stünde eine drohende Verknappung wirtschaftsstrategischer Rohstoffe bevor, so Schäfer weiter, wäre die Situation eine andere und es müsste alles getan werden, die Metalle und Materialien im Kreislauf zu halten. „Doch das Narrativ der drohenden Verknappung der mineralischen Rohstoffe ist zu großen Teilen auf fehlinterpretierte Informationen und den Irrglauben gestützt, dass alle Vorkommen an mineralischen Ressourcen der Erde bereits genauestens kartographiert sind. Es ist jedoch keineswegs bekannt, wie groß die Ressourcenvorkommen tatsächlich sind, die aktuell und zukünftig abbauwürdig sein werden.“

Schäfer weist darauf hin, dass die derzeitige Weltwirtschaft noch weit von einer vollständigen Kreislaufführung entfernt ist – selbst bei Metallen, die grundsätzlich prädestiniert für ein Recycling sind. Grundsätzlich gebe es also noch große Optimierungspotenziale für das Recycling. Die größten noch verbleibenden theoretischen Einsparpotenziale an Treibhausgasemissionen durch Recycling sind laut Schäfer auf die Massenmetalle wie Eisen, Aluminium oder Kupfer zurückzuführen. Welche tatsächlichen Potenziale für die Minderung des Klimawandels durch Recycling existieren, sei grundsätzlich dynamischer Natur – und beispielsweise abhängig von Innovationen und technischen Entwicklungen sowie der Qualität der Quellen. Recycling und Kreislaufwirtschaft sollten laut Schäfer neben anderen Klimaschutzmaßnahmen weiterhin gefördert werden, um die noch verbleibenden Potenziale des Recyclings auszuschöpfen – allerdings stets mit der klaren Zielorientierung anhand der Energiebedarfe.

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