Rohstoffe

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Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei Rohstoffen zur Produktion langlebiger Güter ist zurzeit in Schieflage. Die Hersteller mussten wegen der Corona-Pandemie Produktion und Lagerbestände herunterfahren, Lieferketten wurden wegen Lockdowns unterbrochen oder gestört, gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen sowie Bau- und Renovierungsmaterialen für Innenräume und Außenanlagen an. Hinzu kamen ungünstige Naturereignisse wie extreme Trockenheit oder durch Borkenkäfer verursachte Schäden sowie Zwischenfälle wie der Stau im Suezkanal und die Blockade eines der weltweit größten Container-Häfen in China. Als Folge sind die Preise für Rohstoffe drastisch gestiegen, wie eine Studie der Managementberatung Horváth unter mehr als 1000 Führungskräften aus produzierenden Unternehmen in zwölf europäischen Ländern zeigt.

Im Durchschnitt verzeichnet Horváth seit Herbst 2020 Preissteigerungen um 30 Prozent beziehungsweise um 20 Prozent seit Jahresbeginn – mit Spitzen von 65 Prozent beispielsweise bei metallischen Sekundärrohstoffen. Den stärksten Anstieg gibt es demnach bei Holz, dessen Preis in Deutschland sich seit Herbst 2020 verdoppelt hat. Die Managementberatung weist darauf hin, dass in Nordamerika und China die Preise bereits um ein Drittel höher sind als in Europa. Vor diesem Hintergrund rechnen der Studie zufolge die Hersteller mittelfristig nicht mit einem Ende der Preisspirale. Ganz im Gegenteil: Ob Holz, Stahl oder Kunststoff, Gas oder Methanol – bei nahezu allen Rohstoffgruppen gehen die betroffenen Branchen von weiteren Preissteigerungen im zweistelligen Bereich aus.

Bei Holz treibt beispielsweise die anhaltend hohe Nachfrage nach Holzprodukten die Preise, was von einem sinkenden Angebot noch beschleunigt wird: Zum einen mussten einige geografische Gebiete wie Schweden, Deutschland, Irland, die Vereinigten Staaten und Kanada ihre normalen Produktionsaktivitäten vorübergehend reduzieren oder unterbrechen, zu anderen haben coronabedingte Grenzsperren den kommerziellen Transport eingeschränkt und damit Lieferungen verzögert. Bei Warmstahl, dessen Preis ebenfalls deutlich zugelegt hat, wirkt ebenfalls die Pandemie nach: Aufgrund von massenhaften Auftragsstornierungen zur Coronakrise hatten Stahlproduzenten teilweise komplette Produktionsstätten stillgelegt und die Zwangspause für langwierige Wartungsarbeiten genutzt – und dann hat sich die Wirtschaft schneller erholt, als die Produktionsmengen wieder hochgefahren werden konnte.

Die unerwartet schnelle konjunkturelle Erholung hat demnach auch die Kunststoffpreise stark in die Höhe getrieben, zumal es aufgrund von Extremwetter in den USA Lieferengpässe gegeben habe. Weitere Rohstoffe, die von starken Preissteigerungen betroffen sind, sind der Horváth-Studie zufolge Kupfer, Eisenerz, Öl, Palladium und Rhodium.

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