Quelle: BBT SE

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Für Entlastung im Transitverkehr zwischen Italien und Österreich soll in ungefähr zehn Jahren der neue Brenner Basistunnel sorgen. Die Brenner Basistunnel Gesellschaft (BBT SE), die Innsbrucker Kommunalbetriebe und das Institut für Felsmechanik und Tunnelbau der TU Graz erweitern das Verkehrsprojekt jetzt um den Faktor Geothermie: Sie untersuchen, ob und wie das Drainagewasser aus dem Brenner Basistunnel zum klimafreundlichen Heizen und Kühlen von Häusern oder sogar ganzen Stadtvierteln in Innsbruck genutzt werden kann.

Innerhalb eines Jahres wollen die Forschenden mithilfe von Simulationsmodellen für den Brenner Basistunnel eine erste Abschätzung treffen, welche infrastrukturellen Maßnahmen nötig sind, um die höchste Energieausbeute zu erzielen. Beispielsweise wird getestet, ob und wie sich die Temperatur des Drainagewassers auf ein höheres Niveau bringen lässt – etwa mit Absorber-Techniken wie Energie-Ankern oder Energie-Sohlen, die an der Tunnelinnenwand verbaut werden und die Gebirgswärme aufnehmen. Darüber hinaus soll geklärt werden, wie eine sinnvolle ökonomische Verteilung des Wassers hinein in die Haushalte erfolgen kann und wie die Wärmepumpen und die Wärmeübertrager geplant oder adaptiert werden müssen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen dienen der BBT SE und den Innsbrucker Kommunalbetrieben dann als Entscheidungslage für die weitere wirtschaftliche und technische Umsetzung.

Der mit 64 Kilometern dann längste Eisenbahntunnels der Welt verfügt über mehrere Pluspunkte in Sachen Geothermie: Wegen seiner seine Länge und seiner Neigung zu Innsbruck hin fließt das Tunnelwasser im Brenner Basistunnel automatisch und ohne zusätzlichen Pumpenaufwand auf die Stadt zu. Außerdem befindet sich unter den Hauptröhren ein Erkundungsstollen, der schon fast fertiggestellt ist und über den auch das Drainagewasser der Haupttunnel zukünftig abgeleitet wird – hier könnten Konzepte zur Energiegewinnung entwickelt werden, ohne den Bahnbetrieb zu behindern. Die Umsetzung ist den Beteiligten zufolge also mit weniger Aufwand und mit geringeren Kosten verbunden, als dies bei vergleichbaren Projekten der Fall war, die ebenfalls auf Geothermie setzen: der Fasanenhof-Tunnel in Stuttgart, der Gotthard-Basistunnel in der Schweiz und die Unterinntaltrasse in Tirol.

Ein weiterer wichtiger Kernaspekt zielt auf die Übertragbarkeit des Konzepts ab. Die Forschungsgruppe wird im Zuge des Projekts untersuchen, mit welchen Technologien aktuelle Tunnelbauprojekte ergänzt und bereits aktive Tunnelanlagen nachgerüstet werden können, um ihr energetisches Potenzial voll auszuschöpfen. Denn das oberirdische Platzangebot wird immer knapper und der Energiebedarf immer größer – und Untertagebauwerke sind natürliche Energie- und Wärmequellen. Die Forschenden wollen jedoch intensiv überprüfen, wie sich der Wärmeentzug langfristig auf die thermophysikalischen Eigenschaften des Gebirges auswirkt. Denn die durch die geothermische Nutzung entstehende Abkühlung darf keine solche Dimension erreichen, welche die Energiegewinnung langfristig schmälert.

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