In der Rubrik „VWIssenschaft” gibt der VWI Einblicke in die Abschlussarbeiten und Forschungsprojekte seiner Mitglieder. Dabei wird gezeigt, wie Wirtschaftsingenieurinnen und Wirtschaftsingenieure aktuelle Herausforderungen aus technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Perspektive analysieren. In dieser Ausgabe steht die Bachelorarbeit von Eric Hohenadel im Fokus, die sich mit der Akzeptanz vernetzter Energiesysteme befasst.
In seiner Arbeit mit dem Titel „Public Perceptions of Connected Energy Systems: A Behavioral Model Analysis in Germany and the United Kingdom“ untersucht er, wie Menschen in Deutschland und Großbritannien sogenannte Smart Meter wahrnehmen. Diese intelligenten Stromzähler sind ein zentraler Baustein der Energiewende, da sie dabei helfen, den Stromverbrauch und die Stromerzeugung besser zu steuern und erneuerbare Energien effizienter zu integrieren. Trotz ihrer technischen Vorteile stoßen sie in der Bevölkerung jedoch nicht immer auf uneingeschränkte Zustimmung.
Anhand von drei verhaltenswissenschaftlichen Modellen analysiert die Arbeit, welche Faktoren die Akzeptanz beeinflussen. Dabei zeigt sich, dass vor allem das Vertrauen in Institutionen und Energieversorger, persönliche Werte sowie das Umweltbewusstsein eine große Rolle spielen. Menschen, die Smart Meter als fair, sicher und sinnvoll für den Klimaschutz wahrnehmen, stehen der Technologie deutlich positiver gegenüber. Auch die Art der Kommunikation ist entscheidend: Während einige stärker auf persönliche Vorteile, wie mögliche Kosteneinsparungen, reagieren, lassen sich andere vor allem durch gesellschaftliche und ökologische Argumente überzeugen.
Ein Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien zeigt, dass sich die Einstellungen der Menschen in beiden Ländern kaum unterscheiden, obwohl Smart Meter in Großbritannien bereits weiter verbreitet sind. Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Akzeptanz weniger von nationalen Unterschieden abhängt als vielmehr von Information, Vertrauen und der wahrgenommenen Sinnhaftigkeit neuer Technologien.
Die Arbeit von Eric Hohenadel zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, technische Innovationen mit einem Verständnis für menschliches Verhalten zu verbinden. Dies ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Energiewende und ein gutes Beispiel für die Interdisziplinarität des Wirtschaftsingenieurwesens.
