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Nachhaltige Antriebe sind eine Säule der angestrebten Verkehrswende. Eine weitere sind Mobilitätsökosysteme. Denn wenn über eine Plattform verschiedene Mobilitätsdienstleistungen angeboten werden, steigt insbesondere in den Stadtzentren die Motivation, aufs eigene Auto zu verzichten. Das Beratungsunternehmen Deloitte erwartet, dass sich das globale Marktvolumen in diesem Bereich bis 2030 auf 500 Milliarden Euro vervierfacht. Schon jetzt fließen der Studie „Nachfrage sucht Angebot – Pragmatismus beim Aufbau von Mobilitätsökosystemen“ zufolge 25 Prozent der in Start-ups aus dem Automotive-Bereich investierten Gelder in solche Konzepte. Und auch für etablierte Automobilunternehmen gebe es vielfältige Chancen, in neue Geschäftsmodelle einzusteigen und die Transformation aktiv zu gestalten.

Allein der Markt für Ride Hailing (Taxidienste über App) und Ride Sharing wird nach Einschätzung von Deloitte bis Mitte des Jahrhunderts auf 300 Milliarden Euro anwachsen. Rechne man den öffentlichen Nahverkehr und die IT-Infrastruktur ein, die diese digitalen Dienstleistungen ermöglichen, sei das Marktvolumen bis 2030 voraussichtlich sogar vier Mal größer.

Trotz des großen Potenzials arbeiten viele Mobilitätsdienstleister derzeit noch unrentabel. Die Deloitte-Studie hat deshalb untersucht, welche Faktoren erfolgreiche Mobilitätsökosysteme von weniger erfolgreichen unterscheiden. Dazu wurden vier Best-Practice-Unternehmen herangezogen und folgende fünf Hypothesen herausgearbeitet.

  • Vielfältige Kooperationen sind ein wichtiger Erfolgsfaktor, denn sie erweitern die Kundenbasis. Eigene Fahrzeugflotten können beispielsweise durch Kooperationen besser ausgelastet werden.
  • Ein breites Serviceangebot ist außerdem entscheidend, denn nur darüber können Marktanteile auch langfristig gesteigert werden. Die Daten zeigen, dass Mobilitätsökosysteme meist erfolgreicher sind, wenn sie sich stringent auf Mobilitätsdienstleistungen konzentrieren.
  • Apps, welche die Kundenbedürfnisse abbilden, sind ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor. Wie die Deloitte-Analysen zeigen, fokussieren sich erfolgreiche Mobilitätsökosysteme auf wenige wirklich wichtige Themen wie Angebot, Sicherheit und Features.
  • Weniger kapitalintensive Mikromobilitätsdienstleistungen wie der Verleih von E-Rollern oder Fahrrädern sind gemessen an der Unternehmensbewertung erfolgreicher. So beträgt der Anteil dieser Assets bei erfolgreichen Unternehmen 50 Prozent, beim weniger erfolgreichen Wettbewerb 18 Prozent. Unternehmen mit kapitalintensiveren Assets sind meist dann erfolgreich, wenn sie die Kapazitäten schon vorher hatten, beispielsweise als Hersteller.
  • Der kundenzentrierte Aufbau der Mobilitätsdienstleistungen führt zum Erfolg. Die Best-Practice-Unternehmen richten ihr Angebot passgenau an dem Bedarf der potenziellen Kunden aus.

„Da Mobilitätsökosysteme bislang hauptsächlich in Stadtzentren Anwendung finden, werden private Fahrzeuge auch weiterhin ihre Berechtigung haben. Begreift man sie aber nicht als Ersatz, sondern als Erweiterung individueller Mobilität, bieten sie vielfältige Chancen“, so Harald Proff, Partner und Leiter Automobilindustrie bei Deloitte. Gerade Hersteller und Zulieferer haben aus Sicht des Wirtschaftsingenieurs mit der neuen Mobilitätswelt die Möglichkeit, das eigene Portfolio zu erweitern und damit den Wegfall anderer Geschäftsmodelle – beispielsweise aus dem Bereich des Verbrennungsmotors – abzufangen. Großes Potenzial entstehe durch die neue Form der Mobilität aber auch für Technologieunternehmen und Start-ups, wenn sie die Kundenbedürfnisse im Blick haben.

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